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Geplantes Fernwärmeprojekt: Bis zu 95 Grad sollen in Garching ankommen

Informationen zum aktuellen Stand - Glasfasernetz und Ladeinfrastruktur für E-Mobilität

Die Fernwärme wird mit der Temperatur beim Endverbraucher in Garching ankommen, mit der sie benötigt wird. Selbst 80 bis 95 Grad Celsius werde man technisch vollkommen unproblematisch erreichen können. Das stellte Pascal Lang, Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft Inn-Salzach (EGIS), gestern Vormittag bei einem Pressetermin im Garchinger Rathaus klar. Bürgermeister Maik Krieger hatte zu diesem Termin eingeladen, um den aktuellen Stand beim Fernwärmeprojekt bekanntzugeben. An dem Termin nahm von der EGIS neben Pascal Lang auch sein Stellvertreter Christoph Strasser teil sowie von Garchinger Seite Bauamtsleiter Martin Rucker, Geschäftsleiter Ernst Weinberger und Bürgermeister Maik Krieger. Wie dort zu erfahren war, wird die Zusammenarbeit zwischen EGIS und Gemeinde noch weit über das Fernwärme-Projekt hinausgehen: Die Genossenschaft wird, so ist vorgesehen, außerdem die kommunalen Liegenschaften mit Photovoltaikanlagen ausstatten und in Garching eine Ladesäulen-Infrastruktur für die Elektromobilität aufbauen. Es seien in jüngster Zeit Fragen im Rathaus, aber auch bei der EGIS selbst eingegangen, ob denn die Temperatur, die von der Geothermieanlage in Garching ankomme, noch ausreiche, um alle Objekte im gewünschten Ausmaß beheizen zu können, informierte Bürgermeister Krieger.


Das sei der Fall, sagte stellvertretender EGIS-Vorstandsvorsitzender Strasser: man sei – vom technischen Standpunkt her – in der Lage, jedes Haus und jeden Betrieb in Garching, Wald, Hartfeld und Hart anzuschließen und mit der Energie zu versorgen, die dort vor Ort nötig sei. Die rund zwei Kilometer lange Leitung von der Geothermieanlage in Bruck in den Ort Garching stelle dabei technisch überhaupt kein Problem dar. EGIS-Vorstandsvorsitzender Lang verwies dazu auf das von der Gemeinde Kirchweidach und Gemüsebau Steiner geplante Geothermieprojekt "Kirchweidach II", bei dem ja sogar sieben Kilometer überwunden werden sollten. Die Erdwärmeleitungen der EGIS würden unterirdisch verlegt und seien dadurch schon vor Wärmeverlust isoliert, sie seien außerdem mit einer weiteren Isolierung ummantelt. Man würde großzügig dimensionierte Stahlrohre verwenden, die ausreichend Kapazität hätten und mindestens fünf Jahrzehnte halten würden. Die Leitungen bildeten einen geschlossenen Kreislauf. Darin würde gereinigtes Wasser zirkulieren.


Anders als in Geothermiekraftwerken, in deren ORC-Anlagen häufig Stoffe zum Einsatz kommen, die eine niedrigere Verdampfungstemperatur als Wasser haben, sei für die Fernwärme Wasser als Arbeitsmedium geeignet. Der Grund dafür: Für das Fernwärmenetz muss das Arbeitsmedium – anders als bei den Kraftwerken – nicht verdampfen, sondern kann in flüssiger Form durch die Leitungen zirkulieren. Somit bestehe durch den Inhalt der Leitungen auch keinerlei Gefahr für die Umwelt. Gereinigtes Wasser werde verwendet, weil es dann keine Ablagerungen in den Rohren gebe, erklärte Lang. In Garching habe man den Vorteil, dass die Silenos Energy als Betreiber der Geothermieanlage diese von vornherein so gebaut habe, dass eine Fernwärmeversorgung für Garching möglich sei.


So sei eine Abkoppelung der Energie für die Fernwärme noch vor dem Kraftwerk möglich und geplant. Der EGIS-Vorstandsvorsitzende ging auch noch auf das Ergebnis der Abfrage in den Garchinger Ortsteilen ein: Von gut 2000 Haushalten, die die Gemeinde angeschrieben habe, hätten rund 1200 geantwortet. Rund 900 davon hätten ihr Interesse am Anschluss an das Fernwärmenetz bekundet. Von denjenigen, die geantwortet, aber kein Interesse am Anschluss an die Fernwärme hätten, sei oft der Grund, dass sie kürzlich erst eine neue Heizung eingebaut hätten. Es sei damit zu rechnen, dass auch ein guter Teil von ihnen langfristig an die Fernwärme anschließen werde. "Für so eine Siedlungsstruktur, wie sie Garching hat, ist das eine sehr, sehr gute Rückmeldequote", sagte Lang. Die Rückmeldungen seien dabei sowohl von Industrie und Gewerbe gekommen als auch von Ein- und Mehrfamilienhäusern.


"Wir haben für das Fernwärme-Projekt genau den richtigen Zeitpunkt erwischt", sagte Bürgermeister Krieger: Weil derzeit viel über CO2-Bepreisung diskutiert werde, machten sich viele Bürger Gedanken über erneuerbare Energien. Lang ergänzte, dass es mit der EGIS langjährige Preisstabilität geben werde. So habe man in Emmerting seit 14 Jahren die Preise nicht erhöht. In der Alzgemeinde werde die EGIS mit der "Fernwärme Garching" eine eigene Firma gründen, die Betreiber und Eigentümer des Fernwärmenetzes sei. Diese Firma sei eine 100-prozentige Tochter der EGIS und nach dem Genossenschaftsgesetz abgesichert.


Neben dem Rohrnetz für die Fernwärme würde diese Firma auch ein Glasfasernetz in Garching zur Verfügung stellen. Die Glasfaserleitungen seien notwendig, da über diese das Fernwärmenetz gesteuert und auch die Verbräuche der einzelnen Anschließer erfasst würden. Das bedeute: Wer an die Fernwärme anschließe, bekomme automatisch eine 1000-Mbit/s-Glasfaserleitung bis ins Haus gelegt. Über diese Leitung könne man dann auch telefonieren und über einen Internetanbieter schnelles Internet beziehen. Wenn die Häuser selbst stattdessen wie gehabt über ein Kupferkabel angeschlossen seien, könnten bei den gebuchten schnellen Internetzugängen oft gar nicht die vollständigen Bandbreiten genutzt werden, informierten die Vertreter der Gemeinde – bei Glasfaser schon. Derzeit prüfe die EGIS außerdem zusammen mit der Gemeinde die kommunalen Liegenschaften, teilten sie weiter mit. Das Ziel sei es, auf allen Dächern, auf denen es möglich ist, dann Photovoltaikanlagen der EGIS zu installieren. Auf einigen Gebäuden seien bereits PV-Anlagen installiert.


In Garching gebe es aber Potenzial für 700 weitere Kilowatt Sonnenstrom auf den Dächern der kommunalen Liegenschaften, sagte Strasser von der EGIS. Außerdem werde die EGIS, so sei geplant, in Garching die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität aufbauen. Bisher gibt es in diesem Bereich in Garching noch gar nichts. Laut Strasser sind derzeit 24 Ladestationen geplant, zum Teil Schnellladestationen mit Kapazitäten zwischen 50 und 150 Kilowatt, teilweise AC-Ladestationen mit einer Kapazität von 22 Kilowatt. An Orten, an denen man länger verweile, etwa dem Freibad, reiche das, so Strasser. Zumal 22 Kilowatt immer noch erheblich über dem Ladestrom von zwei Kilowatt aus der heimischen Steckdose lägen. Auch hier träten EGIS und Gemeinde als Partner auf: Die Gemeinde kenne die besten Standorte für die Ladestationen, die EGIS könne das gesamte System zur Verfügung stellen. Bevor man damit loslegen könne, müssten aber noch Fördergelder beantragt und die Förderbescheide abgewartet werden. (PnP - 07. Juni 2021)

 
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Neues zur Fernwärme

FOP fordert übersichtliche Informationsblätter zu diesem Thema

„Das ist mehr, als wir erwartet haben“, sagt EGIS-Vorstandsvorsitzender Pascal Lang am Telefon. „Also, das Bauchgefühl ist schon mal gut“. Freilich müssten die Fragebögen noch ausgewertet werden, bevor man sagen könne, wie es beim Thema Fernwärme in Garching weitergeht. Aber schon jetzt sei ersichtlich, dass es in der Alzgemeinde großes Interesse an der Fernwärme gebe, so Lang: Gut 43 Prozent der Bürger im Ortskern, die die Gemeinde angeschrieben und um Auskunft über die Anschlussbereitschaft an ein mögliches Fernwärmenetz gebeten hat, haben geantwortet. Und von ihnen wiederum haben knapp drei Viertel angegeben, sich prinzipiell einen Anschluss an ein mögliches Fernwärmenetz vorstellen zu können.


In Zahlen: Von 1576 bislang Gefragten sagten 512 „Ja“ zur Fernwärme. Gerade für die Ortsmitte von Garching mit vielen Mehrfamilienhäusern sei das ein guter Wert, so Lang.


„Im Frühjahr 2022 könnte man mit dem Bau beginnen“, sagte dazu Bürgermeister Maik Krieger in der Sitzung des Bau- Umwelt und Technikausschusses am Montagabend. „Höchstwahrscheinlich wird das Fernwärmenetz dann in drei Schritten aufgebaut: Zuerst Garching, 2023 folgt dann Wald, 2024 Hartfeld und Hart.“


Natürlich funktioniere das nur, wenn aus den Ortsteilen eine ähnlich große Anschlussbereitschaft signalisiert würde, wie aus dem Ortskern. „Immer unter dem Vorbehalt, dass alles hinhaut, hätten wir dann in drei Jahren ein Fernwärmenetz“, so Krieger. Der Bürgermeister hatte eine weitere brandneue Information: schon sehr bald – vielleicht schon in der Karwoche – soll es auch in Hartfeld, Hart und Wald eine Abfrage zur Fernwärme-Anschlussbereitschaft geben.


Bis Ende April solle alles ausgewertet sein und eventuell könne man schon in der Mai-Sitzung des Gemeinderats das komplette Fernwärme-Programm vorstellen. Außerdem: „Wenn man sich für die Fernwärme entscheidet, wird automatisch ein Glasfaserkabel bis ins Haus verlegt, weil das für die Automaten-Ablesung notwendig ist.“ Eigentlich hatte die Verwaltung das von der EnergieGenossenschaft Inn-Salzach e.G. (EGIS) in Garching geplante Fernwärmenetz mit auf die Tagesordnung der Bauausschusssitzung genommen, weil es – wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich geworden war – Diskussionsbedarf zu den terminlichen Regelungen bei den Abfragen zur Anschlussbereitschaft an ein mögliches Fernwärme- und an das bestehende Gasnetz gibt (der Anzeiger berichtete).


Wie Bürgermeister Maik Krieger bekanntgab, hatte es am Montag – wenige Stunden vor der Ausschusssitzung – aber einen Termin im Rathaus mit der EGIS gegeben, bei dem die Gemeinde die ausgefüllten Fragebögen aus dem Ortskern übergeben hatte. Dabei waren auch verschiedene Modalitäten – wie der grobe Terminplan – besprochen worden, die Krieger jetzt an das Gremium weitergab. „Ich möchte noch einmal betonen, dass die Verwaltung voll und ganz hinter der Fernwärme steht“, sagte er. Man habe mit dem Vortrag zum Erdgas im Gemeinderat und mit dem Gemeinderatsbeschluss, die Energie Südbayern GmbH (ESB) bei einer Abfrage zur Anschlussbereitschaft ans Erdgasnetz zu unterstützen, keineswegs die Fernwärme in Konkurrenz zum Erdgas stellen wollen. „Ich glaube, wir haben mit der Fernwärme eine einmalige Chance, die wir nutzen müssen.“ In Garching gebe es allerdings bereits ein relativ gut ausgebautes Gasnetz. „Das muss die EGIS einfach akzeptieren, dass auch das Gas da ist“, so Krieger. In der darauffolgenden Debatte meldete sich Xaver Diener (Die Grünen) zu Wort: „Wir haben heute eine wichtige Entscheidung zu treffen: Klimaschutz, Ja oder Nein? Wir wissen, wie mühsam es ist, wirklich klimaneutral zu werden.


Aber es gibt nur wenige Gemeinden, die so gute Chancen dafür haben, wie Garching.“ Die gute Ausgangslage, die Garching durch die vorhandene Geothermie-Anlage und die Bereitschaft der EGIS zum Aufbau eines Fernwärmenetzes habe, dürfe man jetzt einfach nicht verspielen. „Wir müssen das Gas akzeptieren, es ist ein freier Markt. Aber wir müssen das Gas nicht aktiv unterstützten“, sagte Diener. So habe Tanja Erb von der ESB in ihrem Vortrag zum Erdgas im Gemeinderat ja selbst gesagt, sie würde die Abfrage gerne über die Gemeinde machen, weil die Bürger dieser vertrauten und dann mit größerem Rücklauf zu rechnen sei. „Wir sollten als Gemeinde das Gasprojekt nicht unterstützen oder es so weit nach hinten verschieben, dass zuvor jeder Bürger ein verbindliches Fernwärme-Angebot bekommen hat“, so Diener. „Wenn aus den anderen Ortsteilen die Rückläufe zur Fernwärme weniger gut sein sollten wie in Garching, werden die Bürger dort aber das Gas brauchen“, sagte dazu Bürgermeister Krieger. Die Gemeinde habe außerdem mit der ESB einen Konzessionsvertrag.


„Die können die Leute anschreiben, wann immer sie wollen – nur wäre dann nicht der Briefkopf der Gemeinde auf dem Fragebogen, sondern der der ESB.“


Markus Bauer (FOP) sprach den zähen Informationsfluss zur Fernwärme an und fragte, ob man nicht einen Flyer für die Bürger gestalten könne, der dann alle Informationen gebündelt enthalte.


„Das ist leider das Problem, das wir seit einem Jahr haben: Dass wir keine Informationsveranstaltungen abhalten können“, antwortete Krieger. Unter normalen Umständen hätte die Gemeinde die Bürger längst zu einer Informationsversammlung eingeladen, bei der dann alle Fragen geklärt worden wären.

Quelle: PnP